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WIR 1 – Acting in Concert

Fotografie / Installation / Malerei / Video

Karl-Heinz Adler, Horst Antes, Katinka Bock, Kerstin Flake, Michael Freudenberg, Raimund Girke, Gotthard Graupner, Matthias Hoch, Veit Hofmann, Konrad Klapheck, Oliver Kossack, Matthias Megyeri, Bjørn Melhus, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Jürgen Schieferdecker, Emil Schumacher, Günther Uecker, Max Uhlig

Karl-Heinz Adler, Horst Antes, Katinka Bock, Kerstin Flake, Michael Freudenberg, Raimund Girke, Gotthard Graupner, Matthias Hoch, Veit Hofmann, Konrad Klapheck, Oliver Kossack, Matthias Megyeri, Bjørn Melhus, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Jürgen Schieferdecker, Emil Schumacher, Günther Uecker, Max UhligMatthias Hoch, Leipzig Hbf. II, 1988, C-Print, 75x105 cm, 
courtesy Sammlung Herzog, Frankfurt am Main

 


13. Juli – 7. September 2014
Klinger Villa, Karl-Heine-Str. 2, 04229 Leipzig

ÖFFNUNGSZEITEN
FR 14 – 18 Uhr, SA/SO 10 – 18 Uhr
Der Eintritt ist frei, Führungen auf Anfrage.


 

25 Jahre Friedliche Revolution – ein großes, emotionales Ereignis und seine Folgen.

„Wir sind das Volk“ schallte es ’89 durch Leipzigs Straßen. Verbrüderung als ziviler Ungehorsam: Das „wir“ bewegte die Massen und brachte ein politisches System zu Fall. Über unterschiedliche künstlerische Ansätze und Positionen geht die Ausstellung der Frage nach, was aus diesem „wir“ geworden ist. 

Ganz bewusst wurde die Ausstellung WIR in zwei Akte gegliedert. Alles ist Bewegung, alles ist Prozess: Zeit, Wahrnehmung, gesellschaftliche Ordnung, das Leben an sich. Im Großen wie im Kleinen. Vor allem, wenn es um den Versuch geht, eine Zeitspanne von über 25 Jahren in künstlerischen Bildern auszudrücken. Angesichts der bis heute andauernden emotionalen Aufgeladenheit des Themas, besonders in Leipzig als Epizentrum der Friedlichen Revolution, scheint ein l’art pour l’art Ansatz zu hermetisch-elitär, zu abstrakt. 

L’art pour l’homme: Das geistige Streben nach Schönheit, Harmonie und Liebe trifft auf die menschlich-instinkthaften Triebe der Selbsterhaltung, Eitelkeit und Egomanie. Diese beiden widerstreitenden Aspekte stellen das Kernthema der beiden Ausstellungen dar. In erster Linie geht es darum ein verbindendes Moment, ein „wir“ zu schaffen, dass ohne einen Sündenbock bemühen zu müssen, ein Zugehörigkeitsgefühl und Empathie schafft. Zu aller erst sind „wir“ Menschen, dann erst Männer, Frauen, Kinder, DDR-Bürger, Wessis, Sozis, Kommunisten, Sportler, Philosophen, Kapitalisten, Diktatoren, Hippis, Anarchisten oder Studenten. Sein und Schein, Utopie und Wirklichkeit, ich und du, Vergangenheit und Zukunft treten als Gegensätze auf, deren dynamisch aufrechtzuhaltendes und ausgleichendes Spannungsverhältnis Grundvoraussetzung für Entwicklung ist. Vor diesem Hintergrund spielen sich die historischen Prozesse der Ereignisse um ’89 bis heute ab.

WIR 1 – Acting in Concert

Ein gemeinsames Handeln, das ein Crescendo, ein Allegro, ein Piano annehmen kann und immer in Gefahr schwebt, sich in eine Kakophonie zu verwandeln.

KERSTIN FLAKE
In Empfang genommen wird der Ausstellungsbesucher von zwei überlebensgroß auf LKW-Planen aufgezogenen Prints der Fotografin Kerstin Flake. „ … sonst noch was?“ so der Titel der Serie, in der Flake in die Pose und Klamotten der Verkäuferinnen schlüpft, die sie als offene Projektionsfläche ersetzt. Die Läden, aufgenommen 1999 in Connewitz, einem Stadtteil von Leipzig, transportieren noch den Flair, den Geruch der DDR. In aller Eile, da die Fleischerei nur ein Mal pro Woche bei Belieferung geöffnet hat, aufgestapelte Wurst wird zur Skyline, die Mangel und Überfluss gleichermaßen symbolisiert. 

HORST ANTES, RAIMUND GIRKE, GOTTHARD GRAUBNER, KONRAD KLAPHECK, GERHARD RICHTER, EMIL SCHUMACHER, SIGMAR POLKE, GÜNTHER UECKER, MAX UHLIG, JÜRGEN SCHIEFERDECKER, KARL-HEINZ ADLER, MICHAEL FREUDENBERG, VEIT HOFMANN 
„Positions – Malerei aus der Bundesrepublik Deutschland“ war die Ausstellung betitelt, die 1986/87 im Alten Museum in Ostberlin und im Albertinum in Dresden gezeigt wurde. „Es ist (…) die erste große Ausstellung zeitgenössischer Kunst aus der Bundesrepublik Deutschland, die in Berlin und Dresden gezeigt wird. (…) markieren sich zugleich Stufen der Entwicklung der Kunst in der Bundesrepublik Deutschland, die nach 1945 aus dem Nichts aufgebrochen war, die sich im Blick auf die internationalen Kunstströmungen ihre Vorbilder und Traditionen zu schaffen hatten, aus der sich schließlich konsequent jene Sehweisen und Sehgewohnheiten abgeleitet haben, die heute für die Kunstszene in ihrem Lande als charakteristisch gelten“, ist dem Ausstellungskatalog zu entnehmen. Marlis Menge berichtet 1986 in der Zeitung die Zeit über folgende Beobachtung: „Was da gezeigt wird, ist das Modernste von gestern. Die jungen Wilden fehlen: Hödicke, Baselitz oder die vier, die die Ständige Vertretung vor einer Weile gezeigt hat: Fetting, Lüpertz, Middendorf und Salome.“ Seine Frau fand sein Urteil über die Ausstellung zu abwertend: „In der DDR müssen doch erst mal die sechziger und siebziger Jahre aufgeholt werden. Das kennen wir doch auch noch nicht.“ Im Zuge der Ausstellung entstanden von den beteiligten Künstlern zwei großformatige Gemeinschaftsbilder, ein Ost- und ein Westbild. Raimund Girke, Gotthard Graupner, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Günther Uecker malten das Ostbild, Horst Antes, Willi Baumeister, Anselm Kiefer, Konrad Klapheck, Ernst Wilhelm Nay und Emil Schumacher das Westbild. Die beiden Bilder und die Dokumentationsfotos, die während der Aktion entstanden, sind Teil der Ausstellung WIR. Die Exponate sind nicht nur Spiegel der Kunstströmungen der 80er Jahre, sondern auch soziologische Beobachtung einer geteilten Nation. Die 11 Künstler sind über zwei Generationen, zwischen 1889 und 1945, in den verschiedensten Teilen Deutschlands geboren und haben ganz unterschiedliche Prägungen erfahren. Als künstlerische Individuen nur schwer unter einen Nenner zu bringen, unter dem Aspekt der politischen Grenzziehung jedoch, wie im Zuge der Ausstellung geschehen, durchaus gruppierter. 

MATTHIAS HOCH 
Aufgrund ihrer distanzierten Ästhetik fallen einem eher die großen Fotografen aus dem Westen, wie Candida Höfer oder Bernd und Hilla Becher, als künstlerische Schule ein. Die 1988 von Matthias Hoch in Leipzig, Dresden, Altenburg, Halle und Zwickau fotografierten „Bahnhöfe“ sind Zeugen einer völlig unaufgeregten Welt. Die Bahnhöfe, eigentlich Verkehrsknotenpunkte, stehen praktisch still. Repräsentativ angelegte Architektur wurde durch billige Büdchen zweckmäßig ergänzt, die Bahnangestellten machen den Eindruck von Fremdkörpern in einer Umgebung, die dem ursprünglichen Zweck in absurder Weise entfremdet ist. Was für eine Veränderung, wenn man sich die mehrgeschossige glitzernde Shoppingmall des Leipziger Hauptbahnhofs von heute vor Augen hält oder man sich an die Szenen auf dem Dresdner Hauptbahnhof im Herbst 1989 erinnert. 

KATINKA BOCK 
In der als Loop laufenden Videoarbeit von Katinka Bock „La question du centre“ werden Teelichter angezündet. Schwarz-weiß, in einer fast meditativen Ruhe, bewegt sich das überlange Streichholz von einem Docht zum nächsten. Hat ein Teelicht nicht gleich Feuer gefangen, kehrt das Streichholz zurück und entzündet die Kerze in aller Ruhe erneut. Der ursprünglich dunkle Raum wird nach und nach von dem Licht der Kerzen erleuchtet. Langsam entsteht ein Kerzenmeer, das sich stetig aus.breitet. Und plötzlich erlöschen alle Teelichter auf einen Schlag, ohne ersichtlichen Grund. In dem Vakuum, in dem sich die Kerzen befinden, ist sämtlicher Sauerstoff aufgebraucht. Das Video beginnt von vorn: in der Dunkelheit leuchtet ein Teelicht auf. 

OLIVER KOSSACK 
Einlegesohlen aus Stahl, 1 cm dick, sind über den Boden verteilt. „Minimal Subliminal“, so der Titel der Arbeit von Oliver Kossack. Gedämpfte Fußabdrücke, Spuren, eine comichafte Andeutung von Menschenmassen sind Assoziationen, die die Sohlen heraufbeschwören. In der Ausstellung, da ohne Absperrung im Raum verteilt, dienen sie jedoch auch als Stolpersteine. Der unaufmerksame Besucher bekommt einen Schreck, der aufmerksame ist gewarnt. Beide jedoch werden in ihrer Bewegungsfreiheit durch die Sohlen eingeschränkt, der Raum ist durch das künstlerische Gegenüber besetzt. Der Ausstellungsbesucher muss sich seinen Weg durch die symbolisierte Masse bahnen. 

BJØRN MELHUS 
„We are one (…) and buy T-Shirts,“ tönt es in ständiger Wiederholung aus dem Video von Björn Melhus. „American hopes, American dreams, (…)“ trällert eine Tanztruppe pubertierender Mädchen voller Inbrunst während die Menschen über Lautsprecher wiederholt aufgefordert werden, die „cheap“ T-Shirts zu kaufen. „America Sells“ von Björn Melhus hat der Künstler 1990 mitten in Ostberlin gedreht. Nichts ist so absurd wie die Realität. Und da wir so daran gewöhnt sind, spitzt Melhus die Slogans mit dem Mittel der ständigen Wiederholung zu. 

MATTHIAS MEGYERI 
Die Klinger Villa, mit großzügigen Flügeltüren, Holzvertäfelungen, Stuck-Elementen und dem angeschlossenen englischen Landschaftsgarten, bildet die Kulisse der Ausstellung. Man denkt an Max Klinger, bürgerliche Salons und eine Welt, die vor den Weltkriegen als Nation noch in Ordnung war. Eine großzügige Freitreppe führt in den Garten. Ein massiver, 3,60 m hoher Zaun aus Bronze versperrt den Zugang zur Grünfläche. Das Material ist edel, die Schutzfunktion hoch, der Weg ist versperrt. Gefängnis, moderner Compound der reichen Bevölkerung in einem armen Land oder Grenzzaun sind Assoziationen, die wachgerufen werden. Titel der Zaun-Installation von Matthias Megyeri ist „R. Bunnit, Peter Pin & Didoo“. Ursprung der Arbeit war die Beobachtung des Künstlers, der lange in London gelebt hat, dass die Menschen dort einerseits ein starkes Bedürfnis haben, sich und ihr Hab und Gut zu schützen, andererseits die metallenen Zäune und Gitter durch Nippes immer wieder menschlich aufgehübscht werden. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte Megyeri einen extrem robusten Zaun, der mit niedlichen Phantasie-Tierchen, als unüberwindbare und in ihrer Gefährlichkeit nicht hinter normalen Zaunspitzen zurückstehenden Hürden, gekrönt ist.


Partner

Sammlung Bergmeier, Halle/Saale
Galerie Patrick Ebensperger
Michael Herzog, Frankfurt/Main
Jochen Hempel, Berlin/Leipzig
Galerie Kleindienst 
Brigitte March International Contemporary Art, Stuttgart
Städtische Galerie Dresden
Jocelyn Wolff Galerie


Förderer

KSW GmbH
, B&B Media, 
Blüthner, 
REGJO, 
Richard-Wagner-Verband Leipzig