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MELANCHOLIA

Gemälde von Hans Aichinger und Fotografien von Ingar Krauss und Sarah Jones fokussieren die Pubertät als melancholische Lebensphase.

MELANCHOLIA Gemälde von Hans Aichinger und Fotografien von Ingar Krauss und Sarah Jones fokussieren die Pubertät als melancholische Lebensphase.

22. April – 22. Juli 2012
Klinger Villa, Karl-Heine-Str. 2, 04229 Leipzig

ÖFFNUNGSZEITEN
FR 14 – 18 Uhr, SA/SO 10 – 18 Uhr
zusätzlich 1. und 28. Mai 10 – 18 Uhr

Der Eintritt ist frei, Führungen auf Anfrage.


Mit MELANCHOLIA präsentiert das Klinger Forum eine Ausstellung mit Gemälden von Hans Aichinger (Leipzig) und Fotografien von Ingar Krauss (Berlin) und Sarah Jones (London), die den Beginn der programmatischen Ausstellungstätigkeit des Vereins markiert: Zweimal im Jahr wird der Klinger Verein Werke von zwei bis drei renommierten zeitgenössischen Künstlern aus Leipzig, der Region und dem nationalen und internationalen Umfeld zu einem gemeinsamen Thema zeigen. 

MELANCHOLIA richtet den Blick auf die unterschiedlichen Darstellungsweisen des zentralen Themas der drei Künstler/innen, die psychologische Ausleuchtung der Pubertät. Sie zeigen Jugendliche mit ernsten, zurückhaltend-scheuen, trotzigen, traurigen oder in sich gekehrten Blicken und Haltungen, die hinter einer Maske der Unzugänglichkeit und Verschlossenheit intensive Emotionen andeuten. In dieser Ambivalenz zwischen Verletzlickeit und Unnahbarkeit geben die Jugendlichen dem Betrachter das Rätsel auf, was in ihnen tatsächlich vor sich geht, und bilden einen starken Kontrast zu der allgegenwärtigen Inszenierung des Jugendkultes in Mode, Film und Fernsehen, die den schönen Schein der Jugend feiern.

„Leipzigs Kultur- und Kunstszene ist reich an Quellen aus der Vergangenheit aber gleichfalls sehr lebendig und dynamisch. Kunst und Kultur lebt von der Vielfalt und der Verwurzelung im Bewusstsein der Menschen. Wir wollen mit unserem künftigen Engagement einen Beitrag zur Bereicherung des kulturellen Lebens in unserer Heimatstadt leisten und den Stolz der Leipziger auf Tradition und Gegenwart an einem authentischen Ort wecken.“ sagt Jörg Zochert, Vorstand des Klinger Forum e. V.


Hans Aichingers jugendliche Modelle posieren nahezu unbewegt in dunklen Innenräumen. Sie sind ganz versunken in banale Tätigkeiten, wenn sie zum Beispiel in einen Kasten blicken, ein Muster in eine Tischdecke zeichnen oder ein Stück Stoff anschauen; durch die altmeisterliche Malweise Aichingers hervorgerufen erscheint jedes Detail gestochen scharf und erzeugt eine tiefenräumliche 3-D-Illusion. Doch trotz der präzisen Darstellung bieten sich die jugendlichen ProtagonistInnen dem Betrachter nicht als Gegenstand seiner Anschauung an. Ihr konzentrierter, in sich versunkener Blick hält ihn vielmehr auf Distanz und schließt ihn aus dem Bild aus. Dieser Ausschluss des Betrachters bewirkt, dass er sich seinen durch das Dargestellte ausgelösten Gefühlen heimlich hingeben kann, ohne sich dabei gesehen zu wissen. Das extreme Helldunkel verstärkt die voyeuristische Betrachterperspektive. Es verdunkelt die räumliche Umgebung und richtet ein Schlaglicht auf die Figuren, sodass diese – den Gemälden des italienischen Barockmalers Caravaggio vergleichbar – „wie auf einer Puppenbühne ausgestellt sind“ (Aichinger). Die extreme Beleuchtung hebt ihre Versunkenheit und Verlorenheit hervor, die eine elegische Ruhe über die dargestellten Szenen legen und ihnen eine melancholische Stimmung verleihen.

Ingar Krauss nähert sich dem Thema mittels SW-Porträts, welche die Frage nach der Identität von Kindern und Jugendlichen aufwerfen. Er verwendet natürliches Licht, Tiefenschärfe und das en face, Frontalansichten, die auch klassische Porträtfotografien kennzeichnen. Doch weder diese Stilmittel noch die Bildtitel mit den Namen der Dargestellten lassen auf deren Charakter oder Persönlichkeit schließen, Kriterien, die ein klassisches Porträtfoto erst eigentlich zu einem solchen machen. Vielmehr dominieren die Blicke der Kinder und Jugendlichen: Sie richten sich nach innen und bezeugen eine psychische Abwesenheit. Ihre unterschiedliche Darstellung liest sich vor der Folie der fragilen Übergangsphase, in der sich die ProtagonistInnen befinden, wie ein psychischer Reifeprozess. Während die Älteren stolz und distanziert in die Kamera schauen, blicken die Jüngeren meist scheu in den Apparat oder drehen sich seitlich weg; ihre Mimiken zeigen Verletzlichkeit, Unschuld, Trotz, Scham und eine Traurigkeit, die unter die Haut gehen, denn wir kennen die schwierigen Emotionen dieser Lebensphase. Mit modulierten Grauwerten stellt Krauss die Pubertät in eine melancholisch gefärbte Distanz zur bunten Alltagswirklichkeit: Sie wird als etwas erlebt, das aus der Realität der Erwachsenenwelt herausfällt.

Sarah Jones hebt in ihren Fotos deren Charakter als Inszenierungen hervor. Damit betont sie die Dramatik, die der Phase des Übergangs von der Kindheit in das Erwachsenenalter innewohnt. Ihre meist lebensgroß dargestellten Modelle stellen eine Beziehung zu dem Betrachter her, das Licht, die Ausstattung, die Requisiten sind wie im Theater so gewählt, dass nichts dem Zufall überlassen bleibt. Als Vorlage für die Arrangements dient Jones der gesamte Bildfundus aus Kunst, Literatur, Theater, Film und Fernsehen, der im kollektiven kulturellen Gedächtnis verankert ist. Dieser Wiedererkennungswert lädt ihre Fotografien mit symbolischer Bedeutung auf. So spielt das Mädchen vor einem Apfelbaum mit einem Frosch in der Hand („Apple Tree“, 1999) auf den biblischen Baum der Erkenntnis und auf das Märchen vom Froschkönig an, die beide die Gefahr des Verlusts der sexuellen Unschuld thematisieren. Durch die schlaglichtartige Beleuchtung wird das Mädchen zum Fokus für diesen gefährlichen Übergang aus dem kindlichen Paradies in das Erwachsenenalter, von der geschlechtlichen Neutralität zum Erwachen und Erkennen der eigenen Sexualität. Bei aller Ausdifferenzierung des Themas in den Kunstwerken der drei KünstlerInnen sticht eine Gemeinsamkeit vor: Die Darstellungen der Kinder und Jugendlichen sind Bilder des Übergangs und des Abschieds, worin ihre tiefe Melancholie begründet liegt.